Dienstag, 5. Dezember 2017

[Rezension] Die Schlange von Essex

Das viktorianische England.



Seitenanzahl: 496
Verlag: Eichborn Verlag
Preis: 24,00 €
Genre: Roman
Einband: Hardcover
Erscheinungsdatum: 29. September 2017
Wertung: ♥♥♥♥♥
Reihe: Nein
*Rezensionsexemplar*





Klappentext
London im Jahr 1893. Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Cora Seaborne die Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis in den Küstenort Aldwinter. Als Naturwissenschaftlerin und Anhängerin der provokanten Thesen Charles Darwins gerät sie dort mit dem Pfarrer William Ransome aneinander. Beide sind in rein gar nichts einer Meinung, beide fühlen sich unaufhaltsam zum anderen hingezogen.

Das Cover
Dieses Cover! Wow! Ich liebe die englischsprachigen Cover ja sowieso und trauere ihnen oft hinterher, wenn ich sie mit den deutschsprachigen Covern vergleiche. Leider gefallen mir erstere oft sehr viel besser. Doch dieses Mal hat der Eichbornverlag mir und sich einen großen Gefallen getan und das Cover eins zu eins übernommen. Ich liebe dieses Cover. Es ist sehr farbenfroh, ein echter Eyecatcher und sieht in meinem Bücherregal wirklich phänomenal aus. Ein 1 mit Sternchen Cover!

Meine Meinung
Dieser Roman verkörpert viele wichtige und interessante Themen des viktorianischen Zeitalters. Die Medizin und das Interesse an ihr wuchs immer weiter und die Forscher wagten sich ebenfalls weiter voran und begannen sogar Leichen zu sezieren. Die weibliche Hauptprotagonistin Cora entwickelt sich ebenfalls weiter und möchte nach ihrem Umzug nach Essex ihre wissenschaftlichen Forschungen weiterbetreiben. Sie ist eine überzeugte Anhängerin Darwins und so ist es nicht verwunderlich, dass sie mit dem orstansässigen Pfarrer William aneinandergerät. Doch ist da auch noch etwas anderes zwischen den beiden: Die Funken fliegen gewaltig. Dabei ist der gute Pfarrer verheitatet, Cora eine frische Witwe. Dann sind da noch die unterschiedlichen Weltansichten, die sich eindeutig nicht miteinander vertragen. Außerdem taucht eine Schlange auf, die die Bevölkerung Essex' in Unruhe versetz - die Schlange von Essex.
Sprachlich ist das Buch eine wahre Offenbarung. Ich mochte die Umsetzung der sprachlichen Gestaltung sehr gerne. Die Sprache ist ein wichtiges Medium und die Autorin versteht es, sie geschickt einzusetzen. So verleiht Sarah Perry ihrem Roman ein weiteres Stück Realität. Es dauerte ein wenig, bis ich mich an den sprachlichen Stil gewöhnt hatte, aber als ich erst einmal daran gewöhnt war, flutschte es nur noch so.
Durch das Darstellen der vielen Gegensätze dieser Zeit verleiht die junge Autorin ihrem Roman einen wahren und realen Hintergrund. Gekonnt spricht sie viele Themen an, die die Menschen zu dieser Zeit stark bewegten: Der Unterschied zwischen Armut und Reichtum, Hunger, Nöte, die Gegensätze in Religion und Wissenschaft und noch einige mehr.
Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Jeder von ihnen hat Ecken, Kanten und einen ausgeprägten Charakter. Keine Figur erschien mir als "hingeklatscht". Sie alle wurden für diese Geschichte erschaffen und das merkt man ihnen auch an. Sie haben alle kleine, aber wichtige Rollen in der Geschichte, die alle zur Glaubwürdigkeit des Romans beitragen.
Es handelt sich hierbei um keinen Roman für "mal eben". Er möchte genossen und verstanden werden. Wer sich für die viktorianische Zeit interessiert, für den ist der Roman auf jeden Fall etwas. Auch die sprachliche Gestaltung ist ein wahres Kunstwerk, das man in der heutigen Literatur so leider seltener sieht. Ein ungewöhnlicher Roman, auf den man sich vielleicht erst einmal einlassen muss, der mich als Leserin aber in keiner Weise enttäuscht hat. Im Gegenteil - alle meine Erwartungen wurden übertroffen.

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