Mittwoch, 29. März 2017

[Mission Esperanto] Voyeurismus, Konsum und Reizüberflutung:

7 Tage ohne Fernsehen, Netflix & Co.




Holy shit! Wer hätte gedacht, dass es jemals dazu kommt? Ich blogge zusammen mit Lisch aka. Fräulein Bird. Nö, damit hätte ich zu Anfang unserer Freundschaft niemals gerechnet.
Lange haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was wir mit euch teilen wollen, über was wir schreiben wollen. Im Dezember haben wir bei einem Frühstück ein tolles Gespräch geführt. Kerle, das Leben und die berufliche Zukunft... Alles Themen unseres kleinen Frühstücks. Und was soll ich sagen? Es war toll und wir haben viel planen können. Inzwischen ist schon wieder einige Zeit vergangen und wir haben uns viele Gedanken gemacht, einige wieder verworfen, andere auf später vertragt.

Mission Esperanto - Was ist das? Wir möchten uns in regelmäßigen Abständen mit gesellschaftskritischen, der Welt, dem Leben und vielen anderen unserer Meinung nach wichtigen Themen auseinander setzen. Hierzu unterziehen wir uns immer wieder verschiedenen Selbsttests und stellen uns selbst und andere auf den Prüfstand. Wir freuen uns schon sehr darauf diese Reihe mit euch zu teilen.

Für unseren ersten Selbsttest haben wir uns auf TV-Verzicht geeinigt. Gar nicht so leicht einen passenden Einstieg in unsere Reihe zu finden. Das eine war zu schwach, das andere ließ sich zeitlich nicht umsetzen. Ich glaube, dass wir mit diesem Experiment einen ganz guten Einstieg gefunden haben. Ich bin eher ein Manchmal-Fernseher.

Vor dem Beginn unseres ersten Selbstversuchts habe ich schon alle nötigen Vorbereitungen vorgenommen. Ich habe The Walking Dead, Der Bachelor - das Finale, Schnäppchenhäuser und Das perfekte Promi-Dinner im Receiver vorprogrammiert. Wow, ich schaue wirklich zu viel TV. Manchmal... Ab und zu habe ich Phasen, da schaue ich überhaupt kein TV, lese nur, verbringe viel Zeit mit meinem Mann oder bin allgemein viel unterwegs. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen die Festplatte schier platzt, da sie zu voll ist. Aber hey, so ist das Leben. Und mein Fernseher muss sich eben an meine Bedürfnisse anpassen.

Ich habe festgestellt, dass ein TV-Verzicht eigentlich tagsüber gar nicht so schwer ist und mich nicht einschränkt. Aber Abends... Da liegt man zusammen auf der Couch, kuschelt sich in dicke Decken und will sich manchmal einfach nur noch berieseln lassen. Ich muss vielleicht gestehen, dass ich ein wenig geschummelt habe. Ich habe eine harte Lernwoche hinter mir. Ich stehe kurz vor dem Abitur und habe mich vielleicht ein wenig durch das Lernen vom Nicht-Fernsehen ablenken lassen.

Lisch und ich waren uns am Anfang nicht so ganz einig. Ein kompletter Verzicht auf die Flimmerkiste. Ist das beim Zusammenleben, bzw. Übernachten bei dem Partner überhaupt möglich? Müssen wir unsere Partner mit in unser Selbstexperiment ziehen?
Wir haben uns ein kleines Hintertürchen offen gelassen... Youtube war erlaubt, auch das Schauen bei anderen. Ich muss dazu sagen, dass ich mit meinem Mann zur Zeit sehr viel Galileo bei Youtube schaue. Außerdem streamen wir noch viel bei Netflix und Sky. Zwangsläufig habe ich ihn also mit "reingezogen". Schließlich hieß es: Verzicht auf Walking Dead. Ihr merkt, ich habe für euch verzichtet. Was man nicht alles tut!? Naja, mein Mann hat auch verzichtet, wenn auch nicht freiwillig.

Mein Bedarf und Konsum von Serien ist sicherlich hoch. Da kann ich mich gar nicht rausreden. Mit Büchern ist es genauso: Liebe ich Charaktere, so will ich sie nicht gehen lassen. Niemals! Ich könnte 200 Staffeln einer Serie schauen und würde mich noch nicht von ihr lossagen können. Zurück zum Thema Konsum. Serien und Filme werden gehyped. Als normaler Digital Native, Blogger, Instagram-User (usw.) will man - nein, muss man, immer auf dem neusten Stand bleiben. Du kommst nicht umher gespoilert zu werden, wenn du dich in den Sozialen Medien aufhältst. Holy crap ich wusste natürlich sofort mit wem der neue Milchbubi-Bachelor jetzt abhängt. Ob ich wollte oder nicht. Heutztage wird man praktisch dazu gezwungen immer up to date zu sein.
Mein TV-Konsum ist größer, als ich es gedacht hätte. Dafür kann ich sagen, dass ich nicht einmal das Verlangen danach hatte eine Bluray einzulegen. Ganz oder gar nicht... Nur mein Mann tat mir ein wenig Leid. Komm Schatz, wir schauen dies oder das. Ach Moment, das geht ja nicht. Vermutlich sollten wir beide uns was den Konsum angeht mehr zurücknehmen und das Leben außerhalb des Wohnzimmers und fernab der Flimmerkiste wieder mehr genießen. Wir haben in dieser Woche mehr Spaziergänge unternommen, haben die Zeit mehr auf dem Balkon verbracht und haben die ersten Sonnenstrahlen getankt.
TV als Beziehungskiller? Ich würde schon sagen, dass es sich um einen Kommunikationskiller handeln kann. Schließlich sitzt man die meiste Zeit nur davor, starrt wie ein Roboter auf sich bewegende Bilder und redet dazwischen ab und zu kurz ein paar Sätze miteinander. Damn, während ich das schreibe klingt das sogar noch furchtbarer.
Es ist Frühling Leute, schnappt euch eure Lieblingsmenschen und raus an die frische Luft. Nutzt die Zeit miteinander und genießt das Leben!

Hat mich die "Erlaubnis" Youtube zu nutzen dazu verleitet, dass ich mehr davon konsumiert habe? Ich würde das verneinen. Youtube nimmt für mich nur einen kleinen Teil meines Alltags ein. Ein paar Koch- und Backvideos hier, ein paar Dokumentationen dort. Aber mehr konsumiert? Nein, das habe ich definitiv nicht. Wie schon erwähnt, wird abends vor dem Einschlafen noch ein wenig Galileo geschaut. Aber auch das war in dieser Woche weniger als sonst. Ich war viel und lange wegen der Schule unterwegs und bin abends in dem Moment eingeschlafen, in dem mein Kopf das Kissen berührte. Hier sehe ich da für mich kein Problem.

Voyeurismus! Über diesen Faktor habe ich nicht nachgedacht, bis Lisch und ich uns über den Titel unterhalten haben. Das Aufgeilen am Leben, am Versagen anderer. Erst als sie es mir näher erklärt habe, habe ich begonnen darüber nachzudenken. Ich habe fernsehen nie so gesehen. Wahrscheinlich, weil ich nie der Fan von Realityshows oder ähnlichem war. Doch es geht natürlich darüber hinaus. Die News sind gespickt mit Peinlichkeiten von diesem Promi, der Politiker hat sich diesen Fauxpas erlaubt und in Syrien leiden die Menschen. Wir müssen immer über alles Bescheid wissen, uns informieren und ein gewisses Maß an Allgemeinwissen haben. Doch wo reicht es? Wo zieht man die Grenze? Wann verletzt es die Privatsphäre eines anderen Individuums? Ist es nich abartig, dass Menschen gefilmt werden, die soeben aus einem zerbombten Haus stolpern?
Das Versagen anderer, das Leiden anderer und das Urteil, das man sich schnell bilden kann über Menschen, die man gar nicht kennt. All das "geilt" manch einen auf. Die Zeitungen reißen sich um Titelstorys und -bilder. Die Nachrichten sind voll davon. Der tägliche Fernsehkonsum besteht aus fast nichts anderem!

Für mich war Fernsehen einfach nur ein Zeitvertreib, ein sanftes Berieseln nach einem anstrengenden Tag und der Ausknopf in meinem Kopf. Inzwischen denke ich ein wenig anders darüber. Es ist ein Zeitdieb, wie die grauen Männer aus Momo. Ich verbringe immer noch viel zu viel Zeit mit diesem Ding. Statt diese Zeit sinnvoll zu nutzen, lasse ich es auf mich herabprasseln und ersticke fast bei dieser Reizüberflutung. Ich habe für mich selbst beschlossen, dass ich weniger und vor allem bewusster fernsehen möchte. Eine Woche darauf zu verzichten hat mir gezeigt, wie stark diese Aktivität meinen Alltag beeinflusst.
In Zukunft bleibt bei uns der Fernseher öfter aus!

Fräulein Bird hat natürlich ebenfalls ihre Meinung und ihren Selbsttest verschriftlicht. Ich bin selbst sehr gespannt auf ihre Meinung, da die liebe Lisch ein eher seltener TV-Schauer ist.

Was haltet ihr vom alltäglichen TV-Konsum?
Habt ihr es auch schon einmal mit einer "Auszeit" versucht?




1 Kommentar:

  1. Ein sehr wichtiges Thema. Ich muss sagen, dass ich früher viel mehr TV geschaut habe. Aber jetzt weiß ich oftmals gar nicht, was ich da groß schauen soll. Nichtmal den Bachelor habe ich dieses Jahr regelmäßig geschaut. So nebenher mal DSDS oder mit meiner besten Freundin GNTM. Aber sonst? Bleibt für mich die Kiste aus. Mein Problem: mein Freund braucht dieses Berieseln lassen, wie du es so schön genannt hast, sehr und liebt z.B. die Simpsons. Ich les nebenher oder bin am Laptop und schau da Youtubevideos. Klar ists auch mal schön einen Film zusammen zu schauen, aber dann eher auf DVD :D

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