Mittwoch, 24. August 2016

[Blogtour] Scherbenkind

Interview mit Verena Sander



Seitenanzahl: 448
Verlag: DIANA
Preis: 9,99 €
Genre: Krimi
Einband: Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 08. August 2016









Meine lieben Krimifreunde,
ich habe mal wieder die Ehre an einer tollen Blogtour teilzunehmen. Dieses Mal spielt der Krimi wieder in meiner alten Heimatland, dem Schwabenland. Genauer gesagt in Stuttgart. Sympathien sind also vorprogrammiert. Die Autorin selbst wohnt dort und arbeitet - Achtung festhalten! - selbst bei der Mordkommissio Stuttgart. Das macht ihren Kriminalroman natürlich nur noch echter und lebendiger.
Ich habe heute die Ehre ein Interview mit ihrer Hauptkommissarin und Hauptfigur des Buches Scherbenkind Verena Sander zu führen. Ich tue dies im Auftrag unseres fiktiven Onlinemagazins Stuggis Krimipost.
Wie immer gibt es auch dieses Mal etwas Tolles zu gewinnen. Das Gewinnspiel und die Teilnahmebedingungen findet ihr am Ende des Posts. Hundehaar.
Über die Beiträge der anderen halte ich euch wie immer auf dem Laufenden.


Hallo liebe Verena, es freut mich sehr, dass du dir trotz deines vollen Terminkalenders und deiner nervenaufreibenden Fälle Zeit für mich nehmen konntest. Die „Stuggis Krimipost“ ist ja schon lange auf der Jagd nach einem Interview mit dir, aber bisher haben wir dich leider nie überzeugen können. Umso mehr freut es uns eingefleischte Hobbykriminologen, dass du heute Zeit für uns gefunden hast.

The Interview

Du bist vom Beruf her Hauptkommissarin bei der Stuttgarter Kriminalpolizei. Wie bist du zu diesem Beruf gekommen und wie hart war der Weg zur Hauptkommissarin?
Ich wollte schon als kleines Mädchen Polizistin werden. Im Alter von fünf oder sechs Jahren war ich mit meinen Eltern beim Volksfest auf dem Cannstatter Wasen, bin ihnen ausgebüxt und von Polizisten der Wasenwache aufgesammelt worden. Bis sie mich schließlich dort abholten, wurde ich von einer netten Kommissarin mit Kakao und Keksen abgefüllt, während sie mit mir „Schwarzer Peter“ spielte. Das wollte ich für den Rest meines Lebens machen, also ging ich zur Polizei.
Der Weg dahin war aber in der Tat kein leichter. Besonders, da ich mich gegen meine Mutter behaupten musste, die als praktizierende Zeugin Jehovas von meinem Berufswunsch gar nicht begeistert war. Aber das ist eine andere Geschichte.
Dass ich bei der Arbeit nicht jeden Tag Kakao und Kekse bekomme, hat mich dann schon etwas enttäuscht. Vielleicht ist das der Grund, dass ich bei laufenden Sonderkommissionen die Kollegen gern mit Nervennahrung in Form von Süßigkeiten versorge. Der Schwarzen Peter blieb mir dagegen nicht erspart, den ziehe ich bei meinen Fällen regelmäßig in Form eines ganz bestimmten Staatsanwaltes.

In deinem Job erlebst du täglich Dinge, die man nicht so leicht, oder gar nicht, verdauen kann. Wie kommst du damit klar und hast du für dich einen Weg gefunden, wie du dich selbst wieder „runterholen“ kannst?
Das ist wirklich nicht immer ganz leicht. Besonders wenn, wie in diesem Verfahren, Kinder betroffen sind, geht mir das ziemlich an die Nieren und ich kann nicht immer gleich abschalten, wenn ich die Bürotür hinter mir schließe. Ich habe aber mit der Zeit gelernt, zwischen Beruf und Privatleben eine Art Firewall zu errichten. Naja, ich arbeite jedenfalls daran.

Du lebst mit deiner Familie in Stuttgart. Welche drei Wörter verbindest du am Ehesten mit unserer Stadt?
Weinberge, Wälder und Mercedes Benz.
Die Weinberge, weil ich selbst gern einen guten Tropfen trinke, auch wenn ich eher die italienischen Rebsorten bevorzuge.
Die Wälder, weil sie meine Stadt so besonders machen, da sie mitten im Grünen liegt und einen großen Park- und Baumbestand hat. Das kann nicht jede Landeshauptstadt von sich behaupten.
Mercedes Benz, weil man um diese Firma hier nicht drum herum kommt. Den riesigen Mercedes-Stern, der sich auf dem Bahnhofsturm dreht, sieht man schon von Weitem. Und nein, ich werbe nicht für diese Marke, ich selbst bin überzeugte Mini-Fahrerin.
Ich habe hier absichtlich nicht Stuttgart 21 genannt. Diese Geisel der Menschheit versuche ich weitestgehend zu verdrängen.

Wie verbindest du deinen harten Job mit dem Familienleben?
Ich bin ein Arbeitstier und muss tatsächlich aufpassen, dass das Familienleben nicht zu kurz kommt. Meine Familie ist ja ziemlich klein, die besteht nur aus meiner Tochter und mir. Nachdem unser Verhältnis im letzten Jahr ziemlich belastet war (siehe nächste Frage), hat es sich inzwischen wieder merklich entspannt. Seitdem verbringen wir auch wieder mehr Zeit miteinander. Wenn ich mit Mona zusammen bin, schaffe ich es tatsächlich, meine Arbeit für ein paar Stunden zu vergessen.

Hast du bestimmte Vorkehrungen geschaffen, um deine Tochter Mona zu schützen? Schließlich hast du es jeden Tag mit Verbrechen zu tun.
Ich habe lernen müssen, dass man Kinder ab einem bestimmten Alter nur noch bedingt schützen kann. Ab dem Zeitpunkt, wo sie selbstständig werden und man sie nicht mehr ständig unter den Fittichen hat, muss man loslassen können. Ich habe lange Zeit nicht einsehen wollen, dass meine Tochter ihre Erfahrungen selbst machen muss und nicht meine einfach übernehmen kann. Natürlich möchte jede Mutter ihrem Kind Enttäuschungen ersparen, aber die gehören zum Leben. Und man kann Kinder nicht wie Dornröschen in einen Turm einsperren. Einmal habe ich versucht, den Umgang mit Freunden zu unterbinden, die nicht gut für sie waren. Das habe ich so gründlich versemmelt, dass sogar jemand ein Buch drüber geschrieben hat. Nachzulesen ist das ganze Dilemma in einem Roman mit dem reißerischen Titel „Blutopfer“. Die Autorin heißt Britt Reißmann, oder so ähnlich.

Momentan behandelst du gleich zwei mysteriöse Fälle. Zum einen geht es um den Suizid der jungen Henriette. Zum anderen habt ihr einen mysteriösen Anruf von einem Kind erhalten. Dieses Kind behauptet, einen Toten aus einem unaufgeklärten Mordfall identifizieren zu können. Welche Infos kannst du meinen Lesern geben? Natürlich nur so weit, wie der Ermittlungsstand dies zulässt.
Na, streng genommen ist der Suizid von Henriette M. der Fall meines Kollegen Katz. Noch strenger genommen, ist ein Suizid eigentlich keine Straftat. Und ganz streng genommen, darf ich über laufende Ermittlungen gar nicht reden und muss mich auf die Pressemeldungen in den Tageszeitungen berufen. Oder auf den leitenden Staatsanwalt des Verfahrens, meinen speziellen Freund Jens Triberg, der entscheidet, wie viel vom aktuellen Ermittlungsstand an die Öffentlichkeit dringen darf. Dieser ist im Formulieren von gewissen Aussagen allerdings auch nicht immer ganz korrekt, aber das pfeifen ja die Katzen schon von den Dächern.

Wie zuverlässig sind denn anonyme Zeugenaussagen für die Kripo? Geht ihr darauf genauso ein, wie auf Zeugenaussagen von namentlich bekannten Zeugen?
Wir gehen allen Hinweisen nach, so unwahrscheinlich und mysteriös sie zunächst auch anmuten. Bei unserer Arbeit kann man das Risiko, etwas nicht ernst zu nehmen, nicht eingehen. Man weiß anfangs selten, wohin eine Spur führt. Und die unwahrscheinlichsten Hinweise führen manchmal auf direktem Weg zum Täter.

Welchen Tipp hast du für alle Krimifans und Hobbydetektive dort draußen?
Die einfachsten Lösungen sind nicht immer die Richtigen.
Hobbydetektiven möchte ich raten: Lasst die Finger von echten Kriminalfällen. Das kann verdammt ins Auge gehen. Für so etwas ist die Polizei zuständig.

Gibt es etwas, das du dir durch die Ausübung deines Berufes versprichst?
Gerechtigkeit herzustellen oder zumindest dabei zu helfen. Ich hatte schon immer einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, und ich finde, Menschen, die anderen Schaden zufügen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Deine Arbeit ist hart und du triffst jeden Tag auf Ungerechtigkeiten, Mord und Gewalt. Was entspannt dich nach einem harten Arbeitstag?
Ganz profan gesagt: Meine Dusche, mein Sofa und ein Glas guter Rotwein. Zu mehr bin ich nach dem Dienst meist nicht mehr in der Lage. Wenn es mir gelingt, die musikalische Beschallung aus dem Zimmer meiner Tochter auszublenden, kann es sogar sein, dass ich hin und wieder mal richtig abschalten kann. :)

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!


Britt Reißmann über „Scherbenkind“

Wenn mich jemand fragen würde, was mir den Anstoß gab, ein Buch wie „Scherbenkind“ zu schreiben, muss ich ziemlich weit ausholen, denn im Grunde verfolgt mich der Gedanke schon seit ungefähr zehn Jahren. Damals las ich einen Kriminalroman*, in dem die Protagonistin an einer dissoziativen Identitätsstörung litt – sie war, was man in der Umgangssprache eine Multiple Persönlichkeit nennt.

Ich hatte bis dato nicht viel Ahnung von diesem Thema, aber ich war gleichsam erschüttert, fasziniert und interessiert. Fasziniert vor allem von der genialen Idee der menschlichen Psyche, sich andere Seelen zu Hilfe zu holen, wenn sie mit einer Belastung allein nicht fertig wird. Dann wollte ich mehr wissen: Wie kommen die verschiedenen Individuen damit klar, dass sie sich nicht nur einen Körper teilen müssen, sondern auch die Zeit, die sie „draußen“ in unserer „Realität“ verbringen, dass sie verschiedene Interessen und Vorlieben haben, unterschiedliche Ziele verfolgen, selten kontrollieren können, was die jeweils anderen tun. Was, wenn sie in eine Straftat verwickelt werden? Sich schlimmstenfalls selbst oder den anderen nicht trauen? Und wohin gehen die, die gerade nicht draußen sind? Wie sieht ihre Innenwelt aus? Irgendwie wusste ich schon damals, dass ich mehr darüber wissen will und irgendwann genau darüber gern schreiben würde.
Nur sollten zuvor fünf andere Krimis das Licht der Welt erblicken, bevor ich mich an dieses komplexe und fraglos auch schwierige Thema heranwagte.

Verena Sander, die Ermittlerin in diesem Fall, ist jedenfalls zunächst heillos überfordert. Als sie beginnt zu begreifen, womit sie es hier zu tun hat, muss sie ihre gesamte Weltanschauung überdenken. Zum Glück steht ihr ihre Freundin Hannah, eine Psychologin, dabei hilfreich zur Seite. Doch auch Hannah hat eine Last zu tragen, die sie fast erdrückt.

Dieser Roman ist keine leichte Kost. Ich erwarte von meinen Lesern, über die Grenzen des Gewohnten hinauszudenken, etwas zu akzeptieren, was selbst unter Fachleuten noch immer sehr kontrovers diskutiert wird. Wer sich darauf einlässt, wird, wenn ich alles richtig gemacht habe, am Ende des Buches so betroffen sein, wie ich es bei meinen Recherchen zu diesem Thema war.
Und wenn ihr nun neugierig geworden seid und auch Verena und das Team vom Stuttgarter Morddezernat kennenlernen möchtet, dann wünsche ich euch spannende Lesestunden mit meinem „Scherbenkind“.

*Das Buch, von dem oben die Rede war, hab ich übrigens in der Geschichte versteckt. Es liegt bei der Besichtigung von Sinas Zimmer unter deren Kopfkissen.

Gewinnspiel

Finde jeden Tag das markierte Wort, verfasse eine Kurzgeschichte mit den gefundenen Wörtern und überzeuge die Autorin von „Scherbenkind“. Die Gewinner-Geschichten veröffentlichen wir hinterher auf allen teilnehmenden Blogs! Schick sie bis zum 28.08.2016 24 Uhr an info@buchreisender.de mit dem Betreff Scherbenkind.
Zu gewinnen gibt es: 1. Platz 1 signiertes Exemplar „Scherbenkind“, 2. – 5. Platz je 1 Exemplar „Scherbenkind“.

Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel:
Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab 18 Jahren möglich. Andernfalls ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Der Teilnehmer erklärt sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf.
Der Gewinner ist damit einverstanden öffentlich genannt zu werden.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal an dem Gewinnspiel teilnehmen.
Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Organisator des Gewinnspieles buchreisender.de
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Das Gewinnspiel endet am 28.08.2016 um 23:59 Uhr.
Der Gewinner wird per Mail kontaktiert!
Der Beitrag der Gewinnernennung wird jeweils in der ersten Woche des Folgemonats veröffentlicht.





1 Kommentar:

  1. Hallo ,

    vielen Dank für den tollen und interessanten Beitrag.
    Ich wünsche Dir schönen Tag:)

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt (Stern44 )
    margareta.gebhardt@gmx.de

    AntwortenLöschen