Mittwoch, 15. Juni 2016

[Im Kopf eines Bücherwurms] Interview


Auf meiner Facebookseite habe ich bereits die große Facebook-Krimiwoche angekündigt. Seit Montag finden tolle Intervierws, Live-Lesungen und Gewinnspiele statt. Wer noch nicht mit dabei ist, der sollte sich schnell noch hier ein kostenloses Ticket sichern. Außerdem werdet ihr auf dieser Seite über alles auf dem Laufenden gehalten. Organisiert wurde diese tolle Krimi-Woche von Leif Tewes und der Agentur Mainwunder. Ich habe heute die große Ehre ein Interview mit Tibor Rode zu führen.
Zuerst einmal möchte ich Tibor für dieses tolle Interview danken. Es hat mir großen Spaß gemacht, die Fragen zu entwerfen und noch viel größeren Spaß hat mir das Lesen deiner Antworten gemacht. Ich freue mich sehr, dich persönlich kennen gelernt zu haben und hoffe, dass es dir auch Spaß gemacht hat.
Ich wünsche euch allen noch eine schöne Krimiwoche. Let's go! :)

Tibor Rode

Background Infos

Rechte an diesem Bild liegen bei Bastei Lübbe

Name: Tibor Rode
Geboren: 1974
Autorenseite: Klick!
Bisher erschienene Werke: Das Rad der Ewigkeit, Das Los und 
Das Mona-Lisa-Virus


The Interview

Nach Das Rad der Ewigkeit und Das Los erschien im März diesen Jahres Das Mona-Lisa-Virus. Ich durfte dein Buch aufgrund einer Leserunde vorablesen und muss sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat. Woher nimmst du dir deine Ideen für die Bücher? Was inspiriert dich?
Mich inspirieren große Themen. Dinge, die unser gesamtes Leben und Miteinander bestimmen - und die wir dennoch gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Mein erster Thriller Das Rad der Ewigkeit handelt von der ewigen Suche nach der perfekten Energiequelle. Was wäre die Menschheit ohne Energie? Mein zweiter Thriller Das Los widmet sich den Themen Glück und Hoffnung, wonach wir streben, bzw., was uns alle am Leben hält. Und mein dritter Thriller befasst sich nun mit der „Schönheit“. Wieviel Geld und Zeit investieren wir alle täglich, um nach unseren Vorstellungen „schön“ auszusehen? Und dabei fragt niemand mehr, wenn er vor dem Spiegel steht und sich betrachtet, was eigentlich „Schönheit“ ist? Und was macht dieser Schönheitswahn mit uns allen und unseren Kindern? Das Buch ist, wenn man so will, die Thriller-Antwort auf Heidi Klum & C0.

Das Mona-Lisa-Virus wurde international verkauft. Was bedeutet dir das als Autor?
Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, wenn man weiß, dass das Buch nicht nur in Deutschland gelesen wird, sondern weltweit. Das Besondere für mich ist, dass es völlig unterschiedliche Kulturen sind, in denen der Thriller erscheint. Unter anderem in Japan, Korea, Italien, Russland, Griechenland. Teilweise Länder, in denen ich noch niemals war. Ich frage mich, was in meinem Plot, meinem Thriller all diese unterschiedlichen Kulturen verbindet, sodass dort kulturübergreifend das Interesse für dieses Buch geweckt wurde. Und ich glaube, für mich die Antwort gefunden zu haben: Das Thema Schönheit. Das Streben nach Schönheit ist eben ein globales Thema, dass die gesamte Menschheit betrifft. Auch wenn die Schönheitsideale von Land zu Land ganz verschieden sind. Ich kann es kaum erwarten, die Länderausgaben in der Hand zu halten und habe mir vorgenommen, das eine oder andere Buch im Ausland zu besuchen…

Hauptberuflich bist du Anwalt. Wie reagierte dein Umfeld auf deine erste Buchveröffentlichung? Kannst du deinen Berufsalltag gut mit deinen Büchern vereinbaren?
Ich habe sehr positive Erfahrungen mit der Tätigkeit als Autor und Anwalt gemacht. Die meisten Mandanten und auch Kollegen finden es toll, was ich mache. Und Autor und Anwalt das sind auch zwei Berufe, die bestens zusammenpassen. Bei beiden kommt es auf das Wort an. Ob ich nun versuche, mit Worten Richter zu überzeugen, oder aber Leser zu unterhalten: Mein Werkzeug ist jeweils die Sprache. Und sowohl als Anwalt als auch als Autor nützt es, wenn man strukturiert arbeiten kann. Neben viel Kreativität und Phantasie benötigt man als Autor auch einen Plan. Und das habe ich unter anderem von meiner Tätigkeit als Anwalt gelernt.

Hast du bestimmte Rituale, bevor du ein Buch an deinen Lektor weitergibst?
Das eigentlich nicht. Wie für jeden Autor ist das letzte geschriebene Wort eines Buches etwas ganz Besonderes. Denn damit geht nicht nur ein Arbeitsabschnitt, sondern auch ein Lebensabschnitt zu Ende. Wie lange hat man an einer Idee gefeilt? Dafür recherchiert und schließlich, Buchstabe um Buchstabe, Wort und Wort, Satz um Satz und Seite um Seite geschrieben. Und dann ist plötzlich alles zu Ende und man muss das Werk aus der Hand geben. Neben Erleichterung kommt dann oft auch die große Leere. Die ist aber spätestens dann vorbei, wenn man das korrigierte Buch vom Lektor zurückbekommt :). Ich habe allerdings beim Schreiben bestimmte Rituale: So schreibe ich am liebsten ganz früh morgens, am besten vor dem Sonnenaufgang. Da ist der Flow am größten. Und ich höre beim Schreiben immer Klassikmusik. Und zwar die App von Klassikradio. Sonst höre ich aber nie Klassikmusik. Nur beim Schreiben.

Deine Bücher haben alle einen tieferen Hintergrund. Sind es Themen, die dich selbst bewegen?
Es sind Themen, die uns alle bewegen. Besonders faszinierend finde ich dabei übrigens, dass all diese Themen keine neuen Themen sind. Eigentlich haben wir als Menschheit noch dieselben Probleme, Ziele und Konflikte wie die Menschen vor einhundert, fünfhundert oder tausend Jahren. Vielleicht fahren wir heute Autos statt Kutschen. Haben Handys statt Telegramme. Und tragen modernere Kleidung. Innen drinnen sind wir aber immer noch dieselbe Spezies wie früher. Meine ersten beiden Thriller spielen auch deshalb teilweise in Rückblenden im 18. bzw. 17. Jahrhundert, wobei die historische Handlung mit der Jetzt-Zeit verknüpft wird. Das Mona-Lisa-Virus ist dabei etwas anders. Dort sind die Rückblenden in die Vergangenheit nur noch sehr selten und sehr kurz.

Wann bekommen wir mehr von dir zu lesen?
Aktuell schreibe ich am nächsten Buch, das sich auch wieder einem der großen Themen annimmt. Und ich habe bereits eine längere Geschichte für ein ganz besonderes Projekt geschrieben, welches im Spätsommer auf uns alle zukommen wird. Aber darüber kann ich noch nicht sprechen, lasst euch überraschen.

Hand aufs Herz. Was ist dir lieber: Ein Buch oder ein EReader?
Wenn man ehrlich ist, hat beides seinen Charme. Natürlich war ich anfangs gegenüber den EReader sehr skeptisch, wie jeder, der Bücher liebt. Aber wenn man mal ein Buch darauf gelesen hat, weiß man auch einen solchen EReader durchaus zu schätzen. Z.B. im Dunkeln, wenn man keine zusätzliche Lichtquelle zum Lesen benötigt. Ich denke, man sollte kein Entweder-Oder daraus machen, sondern von beiden Medien, Buch und EReader, die Vorzüge genießen. Dabei sollte das Buch sich auch durchaus etwas trauen und auf seine Stärken setzen. So halte ich es für falsch, gedruckte Bücher immer billiger zu machen, um konkurrenzfähig zu sein. Gerade ein aufwendig produziertes Buch, mit besonders wertvollem Cover und besonders tollem Papier weiß zu gefallen.

Was hat dich dazu bewegt bei der Krimiwoche mitzumachen?
Das ist ein wenig wie die Frage ob Buch oder EReader: Offline oder Online? Beides hat seinen Charme. Natürlich ist es toll, in einer Buchhandlung oder einem Theater zu lesen. Autor und Leser zum Anfassen vor sich zu haben. Die Zuhörer Lachen zu hören oder zu spüren, wie das Publikum den Atem anhält. Aber das Internet bietet eben auch ganz neue und ganz phantastische Möglichkeiten, etwas mit ganz geringem Aufwand und vor allem ganz niedrigen Hürden, zugänglich zu machen. Nicht jeder kann oder will immer raus. Der Vorleser und der Leser sitzen vielleicht beide auf ihrer heimischen Couch und dennoch kann live eine ganz besondere Verbindung entstehen. Auch ist die Reichweite natürlich Wahnsinn, denn Entfernungen spielen keine Rolle. Wann können schon einmal der Hamburger, der Bayer und der Sachse gemeinsam an einer Lesung teilnehmen? Und ganz nebenbei ist auch noch die CO2-Bilanz aller Beteiligten makellos.

Hast du einen Lieblingsautoren?
Ich bin süchtig nach der Commissario-Montalbano-Reihe von Andrea Camilleri. Ich bewundere John Grisham, auch weil er wie ich zu Beginn seiner Karriere stets nachts neben seinem Anwaltsberuf schreiben musste. Und ich finde toll, wie Dan Brown es geschafft hat, seine Leser weltweit hundertmillionenfach für Kunst und Kultur zu interessieren. Tatsächlich entdecke ich aber auch immer wieder gern neue Autoren.

Eine abschließende Frage, die ich fast allen Autoren stelle, möchte ich auch dir stellen. Du strandest auf einer einsamen Insel - doch zum Glück hast du dein Lieblingsbuch bei dir. Welches ist es?
Da kommt für mich nur ein einziges Buch in Frage: „Canoecraft: Die Kunst ein Kanu zu bauen“. Das Standardwerk zum Bau eines Holzkanus. Die Lektüre bringt mich dann hoffentlich schnell zurück zu meinem Bücherregal, wo alle meine anderen Lieblingsbücher sehnsüchtig auf mich warten…


Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!
Allen Zuschauern und Lesern wünsche ich noch eine nervenaufreibende Krimiwoche -
Natürlich nur im positiven Sinne ;)

Kommentare:

  1. Sehr schönes Interview :) Auf die Idee, ein Kanu-Bau-Buch mit auf eine einsame Insel zu nehmen, wäre ich nie gekommen!
    Das Mona-Lisa-Virus liegt schon auf meinem SuB und wartet darauf, gelesen zu werden :D

    Toller Blog, bin gleich mal als Leser dageblieben!

    Viele Grüße
    Jasmin von buch-leben

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  2. Ein sehr schönes Interview. Beim Beruf Anwalt musste ich direkt an John Grisham denken, der ja weiter unten im Interview auch kurz genannt wird.
    LG Kerstin

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