Mittwoch, 2. März 2016

[Im Kopf eines Bücherwurms] Interview

Elisabeth Kabatek

Background Infos

Fotograf: Volker Schrank

Name: Elisabeth Kabatek
Autorenseite: Klick!
Bisher erschienene Werke: , Laugenweckle zum Frühstück, Brezeltango,
 Spätzleblues, Zur Sache, Schätzle (Das ist die Reihe um Pipeline Praetorius),
 Ein Häusle in Cornwall.


Grüß Gott und Hallöle,
heid zeig ich euch was ganz bsondres für älle: Ein Interview mit der lieben Elisabeth Kabatek. Sie brachte Pipeline Praetorius in mein Leben und somit ein wenig schwäbisch ins Münsterland. Ich habe ihre Bücher verschlungen. Um das schwäbsich noch lebendiger werden zu lassen, habe ich mir sogar die Hörbücher gekauft. Audible sei Dank. Wer also koin Schwob isch, aber vielleichd gern einer wär', oder onser Gschwätz gern hört, der sollte sich obedingt das Interview durchläsa.

The Interview
Liebe Elisabeth. Erstmal vielen Dank, dass du dich zu einem Interview mit mir bereit erklärt hast. Ich würde dieses Interview so gerne mit einem Laugenweckle begleiten. Aber hier oben schmecken die einfach nicht wie dahoam. Natürlich bin ich jetzt super aufgeregt (und hungrig). Aber genug von mir. Jetzt wünsche ich dir aber erstmal viel Spaß beim Beantworten den Fragen.

1. Was ist dein liebstes schwäbisches Wörtle?
Oagnehm. So viele Vokale auf so wenig Raum, das schaffen nur die sparsamen Schwaben.

2. Ich persönlich liebe ja Herrn Tellerle aus deinen Pipeline Romanen. Der isch gscheid und ein Vertreter der Kehrwoche. Aber jetzt musst du mir vrroda, wer dein Lieblingscharakter ist. Und warum.
Ich liebe Herrn Tellerle auch sehr. Aber noch mehr liebe ich Frau Müller-Thurgau. Beide habe ich ja auferstehen lassen im letzten Band, "Zur Sache, Schätzle." Frau Müller-Thurgau mit ihren rosa Pantöffelchen, ihren Bauchringen und immer mit einer Zigarette in der Hand ist einfach klasse. Aber natürlich liebe ich auch Dande Dorle sehr. Es gibt ja in vielen Kulturen weise alte Frauen. Also das ist Dorle für die schwäbische Kultur: Eine weise alte Frau, lebensklug, liebevoll und vielleicht ein klitzekleines bisschen zu moralisch.

3. Die liebe, arme Pipeline hat ja ein sogenanntes Katastrophengen. Könntest du denjenigen, die Pipeline noch nicht kennen, erläutern was das ist? Und wie bist du auf die Idee dazu gekommen? Gibt es da vielleicht auch Parallelen zu deinem Leben?
Katastrophen-Gen heißt einfach, dass alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Eines meiner Lieblingsbeispiele dafür ist die Entführung des Kinderwagens im zweiten Band um Pipeline, Brezeltango. Line hilft einem fremden Mann, einen Kinderwagen von der U-Bahn auf die Straße zu befördern, und dann stellen beide fest, dass es gar nicht ihr Kinderwagen ist...domm gloffa! Mittlerweile hat ein Wissenschaftler festgestellt, dass es das Katastrophen-Gen tatsächlich gibt und viele Menschen darunter leiden. Ich habe ihm "Zur Sache, Schätzle" geschickt und er hat sich sehr gefreut. Ich bin nur chaotisch, wenn ich in Eile bin, und das versuche ich mir immer mehr abzugewöhnen, es ist einfach zu anstrengend. Für eine Romanfigur ist ein Katastrophen-Gen natürlich toll, weil man dann immer irgendwas Chaotisches und Lustiges erfinden kann.

4. Leon ist ja ein reigschmeggder junger Kerle aus Hamburg. Wieso Hamburg? Gibt es etwas, das du damit verbindest?
Ich brauchte einfach einen Kontrast zu Line und den Schwaben. Weil Leon Hamburger ist, gibt es nicht nur Konflikte zwischen Mann und Frau, sondern auch kulturelle Konflikte, die man natürlich gut ausschlachten kann. Außerdem mag ich Hamburg sehr. Es ist das Gegenteil von Stuttgart: Flach, viel Wasser und keine Maultaschen.

5. Angenommen, du müsstest das Schwobaländle aus dir unerklärlichen Gründen verlassen und dürftest nie mehr zurückkehren, was würde dir am meisten fehlen?
Ich habe das Schwabenländle schon oft verlassen, und was mir da am meisten gefehlt hat ist nicht etwa irgendwas zu essen, sondern der Wald. Wir sind hier ja in einer sehr waldreichen Gegend. Der Wald reicht bis ins Stuttgarter Stadtgebiet hinein. Das liebe ich sehr. Ohne Wald fehlt mir was!

6. Was ist dein liebstes traditionelles schwäbisches Gericht? Kochst du es auch zu Hause?
Früher habe ich oft Maultaschen gemacht (da muss man ja nicht so viel kochen...), das war immer mein liebstes schwäbisches Gericht. Aber seit gut zwei Jahren esse ich kein Fleisch mehr. Jetzt fehlen mir die Maultaschen schrecklich, weil leider gibt es nirgends richtig gute vegetarische Maultaschen.

7. Für alle, die mal ins Schwobaländle komma miassad, wo sollten sie unbedingt mal vorbeischauen? Was ist dein absoluter Geheimtip?
Es ist bestimmt kein Geheimtipp, aber wer nach Stuttgart kommt, sollte unbedingt am Schlossplatz in den obersten Stock des Kunstmuseums klettern (geht auch ohne Eintrittskarte), da hat man einen tollen Blick.

8. Heiligs Blechle! Gibt’s au ebbes, das du ned leida kosch am Schwobaländle?
Richtig erkannt - zu viel Heiligs Blechle. Die Autoindustrie hat leider viel zu viel Lobby, und solange das so bleibt, wird auch die Feinstoffbelastung in Stuttgart nicht wirklich besser.

9. Mit welchen Schreibergüssen dürfen wir in Zukunft bei dir rechnen? Auf was dürfen wir hoffen und warten? Und wie lange?
Ich arbeite an einem neuen Romanprojekt. Das Buch wird im Januar 2017 erscheinen. Mehr verrate ich noch nicht. Nur so viel: Es ist kein Line-Roman, und auch kein Stuttgart-Roman, sondern ein Roman mit ganz neuen Figuren und Orten.

10. Du landest auf einer einsamen Insel. Ganz alleine. Aber: Du hast glücklicherweise dein absolutes Lieblingsbuch dabei. Welches ist es?
Schon Zeit meines Lebens ist "Ferien auf Saltkrokan" mein Lieblingsbuch. Und auch alle anderen Bücher von Astrid Lindgren.

So, das wars dann auch schon mit der Fragerei. Ich hoffe, du hattest genauso viel Spaß beim Beantworten wie ich beim Schreiben. Mir fehlt die Heimat sehr. Aber du hast mir Pipeline ins Haus gebracht und somit findet sich ein kleines Stückle Schwobaländle in meinem Bücherregal wieder.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Vierter Stock. Frau Müller-Thurgau, im rosa Jogging-Anzug, mit einer brennenden Zigarette in der Hand: "Sie, Frau Praetorius! Wasch'n des scho wiedr fir an Krach! A ganz' Mietshaus tirannisiere!" Ich rannte weiter. Dritter Stock, Herr Tellerle drohte mit der Faust. "Koi Ricksichd auf ons alde Leit!" Zweiter Stock. Menschen, die ich noch nie gesehen hatte, zeigten mit dem Finger auf mich, zeterten und tobten, zerrten an mir und dem Baby, brüllten und schrien durcheinander: "Overschämd! Zu onsrer Zeit hätt's des net gäba! Kennad Sie ihre Kender net erzieha? Ond Kehrwoch' aständig macha?"
Auszug aus "Brezeltango"

Kommentare:

  1. Sehr schönes Interview! Ich bin Ex-Stuttgarterin und freue mich natürlich, wenn ich etwas aus der alten Heimat höre/lese. LG Mia

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  2. Sehr schönes Interview. Ich selbst schreibe auch gerne Interviews. Ist immer etwas besonderes, findest du nicht auch
    kiss, cleo
    www.creativschreiben.blogspot.com

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    1. Danke, das freut mich sehr. Es bringt einem den Autor noch näher finde ich.

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